Retrograde Deckungsbeitragsrechnung

Auf den internationalen Käufermärkten für Maschinenbauerzeugnisse nimmt die Bedeutung der Preis- und Konditionenpolitik zu. Bei der Preispolitik muss der Unternehmer zwei Faktoren beachten: 1. die Kosten des eigenen Unternehmens und 2. die Marktfaktoren (Bedarf der Abnehmer, Preise und Konditionen der Wettbewerber). Sogar die führenden Fachzweige des deutschen Maschinenbaus, z.B. die Werkzeugmaschinenbranche, müssen sich auf den internationalen Preiswettbewerb einstellen. Gerade wenn die internationale Konkurrenz durch eine aggressive Preispolitik vor allem Marktanteile gewinnen will, sollte die Deckungsbeitragrechnung angewandt werden, damit die Maschinenbau-Unternehmen auch im harten Verdrängungswettbewerb nicht weichen müssen. Das folgende Diagramm zeigt die Weltmarktentwicklung beim Export spanabhebender Werkzeugmaschinen als Beweis für die prekäre Wettbewerbslage einiger deutscher Maschinenbauzweige auf dem Weltmarkt.

Copyright: Hans Reizner

Durch die retrograde Kalkulation kann der Unternehmer feststellen, ob bei bekanntem ausländischen Verkaufspreis für seine Produkte die Selbstkosten gedeckt werden (ausländischer Verkaufspreis abzüglich Vertriebskosten und Gewinn = Selbstkosten, unverpackt). Diese Kalkulationsart wird nur bei seltenen Ausnahmegeschäften aus unternehmenspolitischen Gründen angewandt.

Bei der retrograden Deckungsbeitragsrechnung werden zunächst die Nettoumsätze des Maschinenbau-Unternehmens, unterteilt nach Exportmärkten, festgestellt. Von den Nettoumsätzen sind anschließend die variablen Exportkosten, die auf den verschiedenen Exportmärkten differieren (vgl. Incoterms bei der Preisbildung), abzuziehen. Somit ergibt sich der Deckungsbeitrag 1. Der Unterschied zwischen diesem Betrag und den variablen Herstellungskosten ist der Deckungsbeitrag 2. Die Summe aller Deckungsbeiträge 2 auf den Exportmärkten steht dem Maschinenbau-Unternehmen als Gesamtdeckungsbeitrag des Exportgeschäfts zur Deckung seiner fixen Kosten zur Verfügung. Alle Exportmärkte, deren Deckungsbeiträge 2 fortwährend negativ sind, sollte das gewinnorientierte Maschinenbau-Unternehmen nicht mehr bearbeiten. In dem nachstehenden Diagramm wird die retrograde Deckungsbeitragsrechnung nach der ABC-Exportmarktanalyse beispielhaft dargestellt.

 

Dipl.-Betriebswirt Hans Reizner, Unternehmensberater für Investitionsgüter- und Export-Marketing, Lichtenbergweg 6, 71546 Aspach, Tel/Fax: 07148/924656, E-Mail: reizner@reizner-exportberatung.de, http://www.reizner-exportberatung.de

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